ff. Prognose

Ist es nicht von vornherein ausgeschlossen worden, dass für das Unternehmen nachver-
tragliche Vorteile entstehen, hat eine Prognose dahingehend stattzufinden, wie sich die 
vom Handelsvertreter geschaffenen Geschäftsbeziehungen voraussichtlich entwickeln 
werden (es sei denn, die Vorteile stehen ausnahmsweise bei Vertragsende bereits fest, wie 
z. B. bei einer Unternehmensveräußerung). Auf der Basis der bis Juli 2009 geltenden 
Fassung des § 89 b HGB (vgl. hierzu unten unter Ziff. 2. c. aa.) galt der Grundsatz, dass 
die Höhe der Unternehmervorteile zumindest der Höhe der Provisionsverluste des 
Handelsvertreters entspricht. Auch für die - potenziellen - Provisionsverluste des 
Handelsvertreters war also eine Prognoseentscheidung erforderlich. Die hierfür heranzu-
ziehenden Kriterien waren die gleichen wie die für die Unternehmervorteile und konnten 
daher einheitlich untersucht werden. Hieran hat sich auch nach der Gesetzesneufassung 
nichts geändert, so dass auf die Ausführungen unten unter Ziff. 2. c. aa. (4) verwiesen 
werden kann. Während aber durch die frühere Gesetzeslage der Ausgleichsanspruch nie 
höher sein konnte als die Provisionsverluste des Handelsvertreters, besteht seit der 
Gesetzesänderung die Möglichkeit, dass dem Handelsvertreter auch Unternehmervorteile 
zugutekommen, welche seine Provisionsverluste übersteigen. Auf der anderen Seite ist 
es auch dem Unternehmer nicht verwehrt, geringere Vorteile geltend zu machen. In 
beiden Fällen muss nach der obergerichtlichen Rechtsprechung (eine Entscheidung des 
BGH hierzu liegt noch nicht vor) derjenige, der sich darauf beruft, dass die Unterneh-
mervorteile ausnahmsweise der Höhe nach nicht den Provisionsverlusten des Handels-
vertreters entsprechen (also höher oder niedriger sind) dieses plausibel darlegen; fehlt             
es hieran, ist der Sachvortrag unbeachtlich und die Ausgleichsberechnung hat anhand             
der "traditionellen" Berechnungsmethode (vgl. hierzu nachfolgend unter Ziff. 2. c.  aa.
(1) bis (5)) stattzufinden. Gelingt hingegen diese Darlegung, trifft die Beweislast für                
die konkrete Höhe der Unternehmervorteile denjenigen, der diese zu seinen Gunsten 
anführt. Häufig wird dies der Handelsvertreter sein (zu den hieraus resultierenden 
Problemen vgl. unten unter Ziff. 2. c. aa.).

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