aa. Kündigung aus begründetem Anlass

Trotz Eigenkündigung behält der Handelsvertreter seinen Ausgleichsanspruch, 
wenn ein Verhalten des Unternehmens hierzu begründeten Anlass gegeben hat. 

Der Handelsvertreter muss weder seinen Grund bei Ausspruch der Kündigung 
nennen noch ist es ihm verwehrt, Kündigungsgründe nachzuschieben, sofern 
dieselben nur im Zeitpunkt der Kündigungserklärung bereits vorlagen (unabhängig 
davon, ob er sie überhaupt kannte). 

In der juristischen Literatur wird sogar die Auffassung vertreten, dass selbst dann,   
wenn das Unternehmen erst nach Ausspruch der Kündigung durch den 
Handelsvertreter den begründeten Anlass geschaffen hat, dies zum Erhalt des 
Ausgleichs führt. Der bloße Lauf der Kündigungsfrist gebe dem Unternehmen 
keinen "Freibrief", sich nicht vertragsgerecht zu verhalten. 

Das Verhalten des Unternehmens kann in einem Tun oder Unterlassen 
bestehen. Dabei müssen indessen die Anforderungen, die an einen wichtigen 
Grund i. S. des § 89 a HGB gestellt werden (vgl. hierzu Handelsvertreterrecht
Teil 2 Ziff. 3. a.
) nicht erfüllt sein. Selbst ein rechtmäßiges Verhalten kann einen 
begründeten Anlass geben, wenn dem Handelsvertreter eine Fortsetzung nach 
Treu und Glauben  nicht mehr zumutbar ist. Hierbei ist das eigene Verhalten     
des kündigenden Handelsvertreters mit zu berücksichtigen. 

Bei der Frage, ob ein Verhalten des Unternehmens begründeten Anlass zur 
Kündigung gegeben hat, kann im Einzelfall auch zu prüfen sein, welche Bedeu-
tung
der Handelsvertreter diesem selber beigemessen hat. Hat er daraus 
während des Bestehens des Vertrages keine Folgerungen gezogen und auch die 
Kündigung darauf nicht gestützt, beruft sich vielmehr auf dieses Verhalten erst 
Jahre später im Rechtsstreit um den Ausgleichsanspruch, kann im allgemeinen 
nicht davon ausgegangen werden, dass das Unternehmen begründeten Anlass 
zur Kündigung gegeben hat. 

Allerdings ist der Ausgleichsanspruch nicht von vornherein dadurch ausgeschlos-
sen, dass der Handelsvertreter fristlos (§ 89 a HGB) kündigt, obgleich ihm das 
Abwarten der Kündigungsfrist zuzumuten gewesen wäre. Entscheidend ist nur, 
dass er einen begründeten Anlass hatte. Das Unternehmen hat jedoch in diesen 
Fällen das Recht, selbst fristlos - und damit ausgleichsausschließend - zu kün-
digen, was dann aber auch tatsächlich geschehen muss. Der spätere Einwand, 
dass die Möglichkeit hierzu bestanden hätte, reicht nicht aus. 

Nachstehend seien beispielhaft einige Gründe für eine ausgleichserhaltende 
Kündigung des Handelsvertreters aufgeführt: 

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