c. Marktbeobachtungspflicht, Bonität des Kunden, Aufbewahrungs- und Herausgabepflicht

Die Pflicht, die Interessen des Unternehmens wahrzunehmen, ist – trotz der einschränkenden
gesetzlichen Formulierung – als umfassend zu verstehen. Im Zweifel sind die Interessen sowohl
des Kunden als auch die des Handelsvertreters unterzuordnen.

Zu den Interessenswahrnehmungspflichten in diesem Sinne zählen z. B. die Marktbeobachtung
und die Kundenpflege, nicht aber die allgemeine Markt- und Produktpflege. Ebenso wenig
gehören Marktanalysen sowie allgemeine Werbe-maßnahmen zu den Aufgaben des Handelsvertreters.

Auch ohne gesonderte Erwähnung im Vertrag muss der Handelsvertreter die Bonität der Kunden
prüfen. Die Intensität für den Handelsvertreter kann unterschiedlich sein, je nachdem, ob es sich
um einen Alt- oder Neukunden handelt so-wie im Hinblick darauf, ob der Handelsvertreter
Abschlussvollmacht hat oder nur mit der Geschäftsvermittlung betraut ist. Es besteht keine
Verpflichtung, Kreditauskünfte einzuholen. Stand der Kunde bereits längere Zeit in geschäftlichen
Beziehungen und verliefen diese reibungslos, darf der Handelsvertreter von einer ent-sprechenden
Fortsetzung auch für die Zukunft ausgehen. 

Der Handelsvertreter ist verpflichtet, die ihm vom Unternehmen gemäß § 86 a Abs. 1 HGB zur Ausübung
seiner Tätigkeit überlassenen Gegenstände (vgl. hierzu Ziff. 2. a.) ordnungsgemäß zu verwahren.
Nicht abschließend geklärt ist die Versicherungspflicht des Handelsvertreters für ihm anvertraute Muster,
weshalb sich entsprechende vertragliche Regelungen empfehlen. 

Der Handelsvertreter ist des weiteren verpflichtet, das herauszugeben, was er zur Ausführung des Auftrags
erhält und was er aus seiner Tätigkeit für den Unter-nehmer erlangt (§ 667 BGB). Dabei muss er die Dinge,
die er für die Bearbeitung eines bestimmten Geschäfts überlassen bekommen hat,
grundsätzlich nach dessen Erledigung, andere erst bei Beendigung des Vertragsverhältnisses, zurückgeben. 

Kundendaten, die der Handelsvertreter vom Unternehmen erhalten hat, aber auch solche,
die ihm während seiner Tätigkeit bekannt geworden sind, müssen bei Beendigung des Vertrages
an den Unternehmer herausgegeben werden. Diese Pflicht kann durch Strafversprechen gesichert
werden, was grundsätzlich auch in einem Formularvertrag möglich ist (vgl. hierzu in einzelnen
auch unter Handelsvertreterrecht Teil 2, Ziff. 8. a.). Die Geltendmachung eines darüber hinausgehenden
Schadenersatzanspruchs, welcher im einzelnen vom Unternehmer darzulegen und zu beweisen wäre,
ist nicht ausgeschlossen, es hat jedoch (im Formularvertrag zwingend zu regeln) eine Anrechnung der
verwirkten Strafe auf diesen Anspruch stattzu-finden. 

(Bei einem Formularvertrag handelt es sich um ein von einer Partei vorgegebenes und für eine
Vielzahl von Fällen vorformuliertes Vertragswerk; er unterliegt stren-geren juristischen Anforderungen
als ein auf die speziellen Gegebenheiten des Einzelfalls zugeschnittener Individualvertrag.
Einzelheiten hierzu sind im Recht der allgemeinen Geschäftsbe-dingungen – §§ 305 ff. BGB – geregelt).

Klicken Sie hier um zur ganzen Seite zu wechseln!